Aram, 40 Jahre alt, Flüchtling aus Syrien

Aram, ein etwa 40-jähriger Mann, floh aus seiner Heimatstadt im Osten Syriens nach heftiger Bombardierung durch die Armee. Zwei seiner Brüder und sein Schwager starben in einem Angriff der syrischen Luftwaffe, der sein Haus dem Erdboden gleichmachte. Bis heute verfolgt ihn das Bild seines leblosen Bruders, der von einem Bombensplitter getroffen wurde ...

... Nach diesem Ereignis verließen Aram und seine Familie Syrien. Sie flohen zum nächsten Grenzübergang an der irakischen Grenze. Dort wurden sie von irakischen Soldaten schikaniert, die drohten seine Tochter zu vergewaltigen. Erst als Angehörige der kurdischen Streitkräfte Nordiraks einschritten, ließ man sie ins Land. Seitdem leben sie in einem Flüchtlingslager in der Nähe der Stadt Sulaymaniyah.

Als wir Aram das erste Mal trafen, litt er unter Schlaflosigkeit und häufigen Alpträumen. Jede Nacht erlebte er die Bombenangriffe erneut, bekam Schweißausbrüche und weinte.

Im Flüchtlingslager müssen er und seine Familie in einem Zelt leben, worin er sich nicht sicher fühlt. Vermutlich aufgrund der hygienischen Bedingungen und der räumlichen Enge erkrankte die gesamte Familie an einer Hepatitisinfektion. Aram macht sich große Sorgen um die Zukunft seiner Kinder, da er keine Arbeit finden kann und viele weibliche Flüchtlinge anfangen sich zu prostituieren.

In Beratungsgesprächen konzentrierten wir uns darauf, Arams Selbstbewusstsein zu stärken, seine Angst in den Griff zu bekommen und wieder handlungsfähig zu werden. Außerdem überwiesen wir seine Familie an einem Facharzt, um die Hepatitis zu behandeln.

Nach mehreren Sitzungen war Aram bereits deutlich optimistischer und weniger verängstigt. Er nimmt weiterhin an der Therapie teil und beginnt nun, Pläne für die Zukunft zu machen.