Khelat, 52 Jahre alt, aus Qerehencir

Khelat suchte das Kirkuk Mobilteam auf, da sie unter Depressionen und Angstzuständen litt. Sie ist verwitwet und hat sechs Kinder.

1988 griffen irakische Militärkräfte ihre Familie an. Gemeinsam mit allen anderen Männern, Frauen und Kindern des Dorfes wurden Khelat und ihre Familie in Haft genommen. Im Gefängnis herrschten unzumutbare Bedingungen. Khelat berichtete, dass sie geschlagen wurde, als sie aus dem Fenster schaute und beobachten konnte, wie Sicherheitsbeamte junge Männer folterten und erschossen. Mehrere Tage lang wurden Khelat und ihrer Familie Wasser und Nahrung sowie medizinische Behandlung verweigert. Mehr als 75 Kinder starben in diesen Tagen, unter ihnen auch Khelats kleine Tochter. Später brachten große Autos eine Anzahl männlicher Gefangener an einen unbekannten Ort. Khelat ist davon überzeugt, dass sie getötet wurden, da sie keinen von ihnen jemals wiedersah ...

... Nach mehreren Monaten in verschiedenen Gefängnissen fanden Khelat und ihre verbliebenen Familienangehörigen ihr Dorf völlig zerstört vor. Sie blieben vorerst in den Ruinen ihres Hauses, mussten aber nur wenig später vor einem erneuten Angriff in die iranischen Berge flüchten. Hinzu kam, dass Khelat und ihr Mann sehr krank und schwach waren. Einige Tage nach ihrer Freilassung wurde ihr Mann aufgrund der Folterungen, die er im Gefängnis ertragen musste, wahnsinnig. Wie sie sich später erinnerte, fing er grundlos an zu weinen oder lachen, aß und trank nicht mehr, wurde plötzlich wütend und redete eigenartig vor sich hin. Nur kurz danach versuchte Khelats 13-Jährige Tochter, sich selbst zu verbrennen. Ihre Familie konnte jedoch das Schlimmste verhindern, sodass sie mit geringen Verletzungen überlebte.

Als Khelat das Mobilteam besuchte, war sie sehr depressiv. Sie konnte ihre Erlebnisse im Gefängnis nicht vergessen. In ihren Träumen tauchten immer wieder Sicherheitsmänner auf, die in ihr Dorf kommen und alle mitnehmen. Sie hatte jegliches Vertrauen in Menschen verloren, konnte mit niemandem sprechen und opferte sich für ihre Familie auf.

In vielen Sitzungen arbeiteten wir an ihrem Selbstwertgefühl und ermutigten sie, ihre Isolation zu überwinden. Sie fing an, Kontakt zu ihren Nachbarn aufzunehmen und realisierte, dass sie mit ihrem Leiden nicht allein ist. Heute fühlt sich Khelat insgesamt besser und findet Bestärkung bei ihrer Familie, die sie braucht.