Shirin, 59 Jahre alt, aus Halabja

Als Shirin erstmals das Zentrum in Halabja aufsuchte, litt sie unter unerklärlichen Ohnmachtsanfällen. Unser Arzt und ein Neurologe schlossen eine körperliche Ursache aus. Die Attacken treten auf, wenn Shirin emotional erregt ist und verschlimmern sich jedes Jahr zum Jahrestag der Giftgasanschläge. Shirin und fünf ihrer neun Kinder wurden während der chemischen Angriffe verletzt und mussten 40 Tage lang in einem unterirdischen Versteck ausharren. Sie litten unter den Folgen der giftigen Chemikalien sowie unter Nahrungs- und Wassermangel ...

... Erst nach drei Monaten traf sie ihren Mann und ihre übrigen drei Kindern in einem Flüchtlingslager. Als die Zustände dort unerträglich wurden, kehrten sie nach Kurdistan zurück. Irakische Sicherheitskräfte verhafteten sie kurz darauf. Sie wurden unter widrigsten Umständen eingesperrt, litten unter Hunger, Folter, Erniedrigung und Krankheiten. Nach ihrer Freilassung zwang man sie, in ein Lager nahe Halabja zu ziehen. Shirin beschreibt diese Jahre als die schlimmsten ihres Lebens.

Bis heute kann es Shirin nicht ertragen,  Szenen aus der Zeit zu sehen oder zu hören. Sie leidet unter Nervosität, Hoffnungslosigkeit, Flashbacks und Depressionen. Sie wünscht sich, diese Erfahrung komplett zu vergessen, was ihr nicht gelingt.

Psychotherapie half Shirin, ihre negativen Gedanken zu verringern und die Beziehung zu ihren Kindern zu verbessern. Shirin hofft, eines Tages eine normale Person in einer normalen Familie werden zu können.