Vor den Toren Europas
Gut fünf Jahre nach der "Orangenen Revolution“ ist die Ukraine aus den Medienberichten weitgehend verschwunden. Gleichwohl nimmt das Land vor den Toren Europas eine Schlüsselrolle ein: aus zahlreichen Krisenherden der Welt strömen Flüchtlinge in die Ukraine, um Zugang zur Europäischen Union zu finden; zugleich werden die Rechte von Folteropfern auch in der Ukraine systematisch verletzt.
Das IRC Kiew
In Kiew bietet das Team des International Medical Rehabilitation Center (IRC) jährlich rund 400 Folteropfern medizinische und psychosoziale Hilfe an. Bis vor wenigen Jahren behandelte das IRC vorwiegend Überlebende der kommunistischen Gewaltherrschaft. Dank einer EU-finanzierten Partnerschaft mit dem bzfo konnte das IRC sein Hilfsangebot auf traumatisierte Flüchtlinge ausdehnen und auch eine steigende Zahl von Opfern aktueller Menschenrechtsverletzungen in der Ukraine versorgen.
Aktivitäten
In Kooperation mit regionalen UNO-Einrichtungen behandelt das IRC jährlich rund 200 Flüchtlinge aus über 20 Nationen. Zu den Herkunftsländern gehören neben Afghanistan, Tschetschenien, Armenien und Usbekistan auch afrikanische Länder wie Somalia und Angola.
Zudem versorgt das IRC gemeinsam mit lokalen Opferschutzverbänden jährlich rund 200 ukrainische Folteropfer: darunter Opfer von Misshandlung in Polizeigewahrsam und in der Armee, weiterhin aber auch Opfer des Stalinismus und Gulag-Überlebende. Bis heute behandelt das IRC zudem ukrainische Holocaustüberlebende sowie ehemalige Zwangsarbeiter der Nazi-Diktatur.
In seiner Arbeit beschränkt sich das Team in Kiew nicht allein auf therapeutische Hilfen. In Medienkampagnen und landesweiten Workshops betreibt es aktive Aufklärungsarbeit zu den Themen Flüchtlingshilfe, Opferschutz, interkulturelle Therapie und Psychiatriereform.
Durch Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen und Hintergrundgespräche mit öffentlichen Entscheidungsträgern leistet das IRC überdies einen Beitrag zur Prävention von staatlicher Willkür in der Ukraine. In seiner Fachzeitschrift Socio-Psychological and Medical Aspects of Cruelty informiert das IRC regelmäßig mehr als 3000 Fachleute in zwölf Ländern der ehemaligen Sowjetunion über Methoden der medizinischen und psychosozialen Behandlung von Folteropfern.
Links
Kontakt
Michael Lehmann
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